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„espacio vivido – der gelebte raum“  ist ein Projekt des deutschen Künstlers Thomas Michl.

Das Kunstprojekt nahm seinen Anfang in den Monaten November bis März des Jahres 1998 in Sevilla. In einer Art Tagebuch wurde von mir jeden Tag ein Bild gemalt. Als Bildträger dienten Holzplatten, die ich auf den Straßen Sevillas in Bauschuttcontainern fand. Das Leben der Stadt – repräsentiert durch die Abfallmaterialien – fand auf diese Weise Eingang in mein Werk. Die Einzelbilder wurden daraufhin zu einer geometrischen Form, einem Kubus mit 2,5 m Kantenlänge zusammengefügt und mit einem Fenster und einer Tür, die ebenfalls Relikte aus Abfallcontainern waren, versehen. Das so entstandene farbenfrohe, „kleine Häuschen“ fungierte – ausgestattet mit Tisch, Stuhl, Bett und persönlichen Gegenständen – von diesem Moment an als temporärer Lebensraum.

In Sevilla (Spanien) wurde der Kubus 1998 mitten im Innenhof der Akademie der Schönen Künste installiert. Während außen der übliche Studienbetrieb ablief, lebte ich einen ganzen Tag in dem Kunstwerk, das als komplettes Zimmer eingerichtet war und zu dem im Laufe des Tages nur wenige, mir wichtige Menschen Zutritt hatten. Die südspanische Stadt, die in jener Zeit mein Lebensmittelpunkt war, wurde für mich dadurch zu einem herausgehobenen Ort.

Damit war das Konzept für „espacio vivido – der gelebte Raum“ geboren. Es basiert auf drei linearen Handlungssträngen:
An Orten, die in meinem Leben eine besondere Bedeutung haben, soll der Kubus als eine Art temporärer Stellvertreter für mich stehen. Diese Präsentationen des Kunstwerks werden mit dem Terminus „AUSSETZEN“ umschrieben, denn in dieser Zeit ist das Werk verschiedensten äußeren Einflüssen wie Witterung, Abnutzung, mutwilliger Beschädigung usw. ausgesetzt. Dieser riskante Moment, in dem der Kubus praktisch wehrlos ist, ist gleichzeitig ein besonders fruchtbarer: Das Werk ist von diesem Zeitpunkt an nicht mehr Theoriekonstrukt sondern steht konkret an einem Ort, über die Dauer einer bestimmten Zeit. Es ist allen Widrigkeiten des Lebens ausgesetzt und wird damit zum „gelebten Raum“.

Jede Station der Aussetzung des Werkes erzählt ihre eigene Geschichte. Diese wird von mir im Nachhinein in das Gesamtkonzept eingeordnet und interpretiert. Das sogenannte „AUSLEGEN“ geschieht auf bildliche Art und Weise. Prägende Momente und Eindrücke von den verschiedenen Aussetzungen werden von mir in kleinen gemalten Bildern festgehalten. Die verwendeten Materialien sind diesselben wie sie beim großen Kubus verwendet werden: Acrylfarben auf Holz. Jede Aussetzung erfährt hierdurch eine neue Deutung und wird gleichzeitig physisch fassbar dokumentiert.

Das Gesamtprojekt „espacio vivido – der gelebte raum“ muss als gestalterisch-künstlerische Äußerung schließlich in den kulturellen Kontext eingebunden werden. Dies geschieht durch das „AUSSTELLEN„. Für jeden Ausstellungsort wird ein eigenes, auf die jeweilige Situation angepasstes Konzept erstellt. So werden in der Regel Originalmaterialien von den Aussetzungsorten, dokumentarische Fotos und/oder die ausgelegten Bilder präsentiert.

„espacio vivido – der gelebte raum“ wurde bis jetzt an folgenden Orten realisiert: